Lernfähigkeit als Überlebensfähigkeit: Wie Deutschland in der Sicherheitspolitik besseres Lernen lernen kann
Abstract
Zusammenfassung Der Artikel analysiert die Bedeutung des institutionellen Lernens und einer guten Fehlerkultur für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik. Zunächst fasst er den Forschungsstand zu den Möglichkeiten, Grenzen und Voraussetzungen erfolgreichen Lernens sowie einer gesunden Fehlerkultur zusammen. Erfolgreiches Lernen kann verschiedene Formen annehmen und ist mit einer Reihe häufig unterschätzter Herausforderungen für Organisationen, Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit verbunden. Ziel ist es, Stärken und Schwächen systematisch zu erkennen, deren Ursachen zu analysieren und daraus nachhaltige und positive Veränderungen abzuleiten, die zu besseren Entscheidungen und effektiverem Handeln beitragen. Es wird argumentiert, dass die verspätete und ungenügende Reaktion Deutschlands auf die aggressive Politik Russlands gegenüber der Ukraine seit 2014 auch auf Defizite im anlassbezogenen vertieften Lernen und in der Fehlerkultur zurückzuführen ist. Der Artikel benennt die verschiedenen Fehler und analysiert ihre Ursachen. Er geht auch auf die Enquete Afghanistan und den Untersuchungsausschuss ein. Darüber hinaus werden Großbritannien und die Niederlande als positive Beispiele für anlassbezogene und institutionalisierte Lernstrukturen und -mechanismen diskutiert. Der Artikel empfiehlt, den neu geschaffenen Nationalen Sicherheitsrat (NSR) nebst Stabsstelle so auszugestalten, dass er starke Signale für politisch gewolltes Lernen senden kann. Zudem werden die Einrichtung unabhängiger Evaluations- und Beratungsstrukturen sowie eine bessere Förderung und Einbindung der sicherheitspolitischen Forschung in Deutschland und darüber hinaus empfohlen. Nur durch eine offene Fehlerkultur und eine verbesserte Lernfähigkeit kann Deutschland langfristig außen- und sicherheitspolitisch handlungsfähiger und letztlich sicherer werden.
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Authors: Christoph O. Meyer
Institutions: King's College London