Soziotechnisches Modellieren. Zur Hervorbringung des Schlafs im Schlaflabor und bei der Selbstvermessung
Abstract
Zusammenfassung Dieser Beitrag analysiert Schlaflaboruntersuchung und digitale Selbstvermessung als Formen soziotechnischen Modellierens, die den Schlaf als wissensförmiges Objekt hervorbringen. Aus praxeologisch-mikrosoziologischer Perspektive untersuchen wir, wie technische Affordanzen, skriptförmige Wissensbestände und situative Praktiken zusammenwirken, um die Kontingenz des Schlafs zu managen: epistemische Unbestimmtheit wird durch Messungen, Klassifikationen und Visualisierungen in beobachtbare Formen überführt. Diese Prozesse beruhen auf einer Infrastruktur ‚schlanker‘ Regeln, während ihre Anwendung im praktischen Vollzug als ‚füllige‘ Regelanwendung erfolgt. Während der Schlaf im Labor durch institutionelle Verfahren als medizinisches Objekt stabilisiert wird, erscheint er beim Self-Tracking als Gegenstand experimenteller Selbstgestaltung. Soziotechnisches Modellieren bietet sich als Analysekonzept für Felder an, in denen schwer zugängliche oder nur indirekt beobachtbare Phänomene durch technische Messverfahren, Klassifikationssysteme und Visualisierungen hervorgebracht und damit zugänglich werden.
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Authors: Nico Wettmann, Dariuš Zifonun
Institutions: Philipps University of Marburg